Lokales

Der Bergpark Wilhelmshöhe

Viele Schritte auf dem Weg zum Weltkulturerbe

„Johann Wolfgang von Goethe war ein prominenter Gast dieses Parks, auch Hölderlin erlebte ihn und nannte ihn einen der führenden Europas. Das kulturell so hochwertig besetzten Areal bietet sich heute nahezu unverändert, und das ist unglaublich“, schwärmt der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, Prof. Dr. Bernd Küster. Und er fügt hinzu, dass jeder, der den 240 Hektar großen Bergpark Wilhelmshöhe, dessen Anlage im 17. Jahrhundert begann, besucht, bestätigen kann: „Alles in diesem Bergpark zu kennen, das wird kaum gelingen. Und er verändert mit jedem Tag sein Gesicht.“

Im Laufe der Jahrhunderte war viel Prominenz  im Bergpark unterwegs
Das liegt natürlich unter anderem an den unglaublichen botanischen Schätzen, die sich in diesem Landschaftspark finden. Ob Taschentuchbaum oder Tulpenbaum, Ginkgo oder Kastanie: Die Sammelleidenschaft der Landgrafen und Kurfürsten zeigt sich auch im grünen, botanischen Detail. Ein dendrologischer (baumkundlicher) Rundgang bietet Eindrücke der besonderen Art. Ein kleines Buch, zu erwerben im Museumsshop, listet hunderte von Bäumen und Sträuchern auf und erklärt deren Herkunft. Es ist ein Wandern nach Zahlen, denn im Park haben viele Bäume und Sträucher gut sichtbare Nummern bekommen, die sich im Büchlein wieder finden. Die Frage, welch wunderschöner Baum denn da blüht, lässt sich so durch Nachschlagen ganz einfach beantworten.

Gemälde von Rembrandt, Dürer, Tizian und Rubens
Doch das ist nur ein Detail aus Europas größtem Bergpark, der jährlich von fast einer Million Touristen besucht wird. Markant sind die Bauten im Park. Das Schloss Wilhelmshöhe mit der weltberühmten Galerie Alter Meister – davon allein zwölf Rembrandts – der Herkules mit den Wasserspielen als Wahrzeichen der Stadt Kassel, die mittelalterlich-verspielte Löwenburg, das Gewächshaus, das Ballhaus, die antikisierenden Tempel… Ende der 90er Jahre entstand die Idee, sich mit einem Kulturschatz aus Kassel für den Titel „Weltkulturerbe“ bei der UNESCO zu bewerben. Der Verein „Bürger für das Welterbe“ arbeitet seit langem intensiv daran mit. Genau diese Bewerbung wurde jetzt auf den Weg gebracht, und zwar für die „Wasserkünste und den Herkules im Bergpark“. „Damit haben wir“, so Bernd Küster, „ein universelles Alleinstellungsmerkmal klar definiert.“

Wasserkünste und Herkules als Alleinstellungsmerkmal
Die Inszenierung von Wasser im Bergpark sei in der in Kassel dargebotenen Form einmalig und einzigartig. Der 55jährige Kunsthistoriker gerät ins Schwärmen, wenn er von der beeindruckenden Technik der Wasserkünste und von Landgraf Karl spricht, der einst die besten Wissenschaftler und Techniker holte, um das Wasserschauspiel in Kassel zu inszenieren. Herausgekommen ist eine Schau der Superlative, die noch heute die Menschen in ihren Bann zieht: Nur mit dem natürlichen Wasserdruck, dem Gefälle und dem Wasser aus einem versteckt gelegenen Reservoir werden die Wasserspiele über einen Höhenunterschied von 225 Metern inszeniert. Wenn die richtigen Schieber und Holzkonstruktionen gezogen und geschoben werden, stürzt das Wasser unterhalb des Herkules die Kaskaden hinab, bringt Hörner zum Klingen, umspült die barocke Anlage zu Füßen des Herkules und mündet in einer 52 Meter hohen Fontäne im Fontänenteich.

Ausgeklügelte Technik für die Wasserkünste
Sonntags, mittwochs und an Feiertagen von Mai bis Oktober haben Besucher aus aller Welt die Chance, dieses Schauspiel ab 14.30 Uhr zu sehen. Der Bergpark erwacht mit dem Wasser zum Leben, und der Herkules thront, souverän und siegessicher, hoch oben über der Anlage.  Das Wasser-Schauspiel war für den Landgrafen Freude und Prestige gleichermaßen. Es hat an Faszination auch heute nicht verloren und katapultiert die Zuschauer nach wie vor in eine  wunderbare Welt der Gartenkunst.

Große Investitionen in Museumslandschaft Hessen-Kassel
Zur  Zeit investiert das Land Hessen rund 200 Millionen Euro in die Museumslandschaft Hessen-Kassel. Dabei steht natürlich der Bergpark mit all seinen Schätzen im Zentrum. Auf dem Herkules-Plateau entsteht ein Besucherzentrum, bis zum Jahr 2013 werden wesentliche Arbeiten an Pyramide und Oktogon unter dem Herkules abgeschlossen sein. Der starke Mann aus Kupfer steht auf einer Pyramide und einem Schloss aus Tuffstein. Und genau dieser Stein aus dem angrenzenden Habichtswald hat seine Tücken. Er ist porös, weich, wenig tragfähig und zudem frostanfällig, da er leicht Feuchtigkeit aufnimmt und speichert. Verbaut wird auch heute nur Habichtswald-Tuffstein, wobei die ausgeschöpften Ressourcen allmählich durch einen künstlichen Tuffstein entlastet werden sollen. Rechtzeitig zum Stadtjubiläum 2013 und zur Entscheidung über den Welterbeantrag sollen viele Arbeiten am Herkules beendet sein.

2013 zum Stadtjubiläum könnte es den Titel geben
„Natürlich haben wir eine Verpflichtung, dauerhaft etwas für unsere Kulturschätze zu tun“, sagt Bernd Küster. Dazu gehöre es auch, den Park angemessen zu erschließen. Das heiße für den Bergpark Wilhelmshöhe aber immer noch, dass er vor allem fußläufig erschlossen werden soll. „Es wird keine Bahn und keine Segways im Bergpark geben. Wir bieten elektromobile Busse, die die Besucher von den Parkplätzen in den Park bringen. Auch für Rollstuhlfahrer wird gesorgt sein, aber es wird keine Seilbahn oder ähnliches bei uns geben“, so der Direktor der Museumslandschaft Hessen-Kassel.

UNESCO-Welterbetitel lockt Touristen aus aller Welt
Grundsätzlich, so sagt er, rechne man mit etwa einem Drittel mehr Touristen als zuvor, wenn der Titel Weltkulturerbe vergeben werde. Darauf lege man es nicht an, aber natürlich sei es so, dass die Menschen gern dorthin reisten, wo es Kulturgüter zu sehen gebe, die unter dem besonderen Schutz der gesamten Menschheit stünden. Seit 2009 ist der gebürtige Niedersache Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel. „Kassel ist ein unvergleichbarer Museumsstandort“, sagt er und freut sich an der Aussicht, dass weltweit vermitteln zu können. „Wir müssen den Park sensibel öffnen und ein Bewusstsein für unsere Schätze und ihre Erhaltung schaffen. 2011 wird es deshalb wieder ein Bergparkfest geben“, erklärt der Experte. Es sei für die Bewerbung um den Status eines Weltkulturerbes unverzichtbar, dass die Bürger der Stadt und der Region diese Bewerbung unterstützten.

Weltweit und international: Die Sprache der Kultur
Sollte das Prädikat „Weltkulturerbe“ für die Wasserkünste und den Herkules verliehen werden, wird es regelmäßig von der UNESCO beobachtet und überprüft. Ein Nachlassen der Bemühungen um die ausgezeichneten Kulturgüter empfiehlt sich da nicht.  „Das Faszinierende ist, dass die Auszeichnung und damit die Anerkennung der Kulturgüter weltweit funktioniert. Wir können allen Menschen auf der Welt erklären, was das Besondere an unseren Wasserkünsten und am Herkules ist. Und wenn das gelingt und akzeptiert wird, dann ist das gelebter, internationaler Kulturaustausch“, fasst Bernd Küster den langen Weg der Bewerbung und das langfristige Ziel der Erhaltung des Bergparks zusammen. Und egal, wie es weitergeht, fest steht: Kassel hat der Welt einzigartige Kulturschätze zu bieten.

Diskussion

Ein Kommentar zu “Der Bergpark Wilhelmshöhe”

  1. Sehr geehrte Damen und Herren!
    Am Montag waren mein Mann und ich in Ihrem herrlichen Park. Könnten Sie uns bitte die Bäume nennen, die die Nummern 142
    162a
    167
    haben?
    Wir danken Ihnen im voraus sehr!
    Mit freundlichen Grüßen,Wolfram und Kristin Weber aus München

    Geschrieben von Kristin Weber | Mai 1, 2014, 14:14

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ab sofort finden Sie uns auch bei

Der neue Wilhelm online

Einkaufsgutschein

Ab sofort in Bad Wilhelmshöhe erhältlich und in vielen Geschäften einlösbar! Ideal als Geschenk!

Archiv

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen